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Weiterführende Informationen zum Thema „Herpesvirus in deutschen Zwingern“

(diverse Quellen Internet, Telefonat mit der Mitarbeiterin von Herrn Neiseke / Prof. Thiel, Uni Giessen)

Wie vielen von Euch wahrscheinlich auch, war mir die Bedeutung der virösen Infektion mit Herpes für den Hund bisher nicht klar. Da ich aber über Bedeutung, Ansteckung und teilweise sehr untypische Krankheitsbilder beim Pferd, über schon langjährig bestehende Impfpflicht usw. weiß, habe ich versucht, ein paar weitere Informationen, insbesondere zu den Ansteckungsrisiken und zu dem Umgang mit befallenen Tieren zu sammeln.

Einige der Zahlen haben mich sehr erschreckt, ebenso der zum Teil wirklich sorglose Umgang mit dieser Infektion in bereits bekanntermaßen befallenen Zuchtbeständen.

Zusammenfassend halte ich die folgenden Punkte für die wichtigsten.

  • Rassebedingt tritt die Infektion in unterschiedlicher Häufung auf. Für unsere Hunde gibt es noch keine Daten. Über den Grad des Befalls in etablierten Zuchtbeständen anderer Rassen wird eine Häufigkeit von zwischen 40 und 88 % berichtet. Viele Züchter leben mit dem Virus und haben nur hin und wieder mal Einbrüche in Form von Aborten oder Totgeburten der Hündinnen, Präventivmaßnahmen werden bisher häufig leider gar nicht ergriffen. An der Herstellung eines sicheren (?) Impfstoffes wird derzeit noch gearbeitet. 

 

  • Tücke der Infektion ist in erster Linie die (ja auch beim Menschen bekannte) Unterteilung in aktive und passive Phasen des Virus. Während der passiven Phase ist die Ansteckungsgefahr relativ gering und findet in dieser Phase fast ausschließlich über den Paarungsakt statt. Leider ist aber auch in der passiven Phase das Virus noch nicht einmal sicher, d.h. bei jedem Trägertier, nachweisbar. Wenn man ein Tier besitzt, bei dem man den Verdacht der Trägerschaft hegt, müsste man dieses in Abständen mehrfach testen lassen, insbesondere wenn das Tier anderweitig irgendwelche Krankheitssymptome zeigt (Husten, andauernde Schlappheit, auch vorübergehende Gliederschmerzen oder Lähmungen). Denn leider zeigt sich die aktive Phase beim Hund nicht sichtbar (wie z.B. beim Menschen über die bekannten Lippenbläschen), sie kann also nur vermutet werden anhand allgemeiner gesundheitlicher Störungen. Diese aber muss das Tier auch in aktiven Phasen des Virus’ nicht zeigen, weshalb eine sichere Bestimmung deutlich erschwert ist.

 

  • In der aktiven Phase ist das Virus hochgradig ansteckend. Nicht nur über den Paarungsakt, sondern auch durch einfache Tröpfcheninfektion wird es vom aktiv befallenen zu jedem Kontakttier weitergegeben. Einige der Kontakttiere sind allerdings gegen Ansteckungen resistent, Gründe hierfür habe ich bisher nicht herausgefunden. Die Ansteckung über den normalen innerartlichen Kontakt war deshalb der Hauptgrund für meine weitergehenden Recherchen. Unsere Aussies sind so harmonische, ständig miteinander knuddelnde und sich, sowie andere Artgenossen, herzlich begrüßende und gegenseitig pflegende Hunde, dass mir diese erhöhte Ansteckungsgefahr über die Tröpfcheninfektion als für unsere Hunde besonders gefährlich erscheint.

 

    Was tut nun ein Züchter, in dessen Bestand das Virus nachgewiesen ist ?

Der einzig „sichere“ Weg, den übrigen Bestand und die Zucht als solche wirklich zu schützen, wäre ein sehr drastisches, und derzeit nicht realisierbares Handeln. Nicht realisierbar, weil es aufgrund der hohen Befallsrate und Dunkelziffer die Zucht und weitere Zuchtentwicklung nahezu völlig lahm legen würde.

Sobald aber einmal ein Impfstoff verfügbar ist, der für die Zukunft mindestens relativen Schutz verspricht, sollte man sich überlegen, ob man bei Fremdpaarungen nicht auf einen Impfnachweis und zusätzlich ein „Negativzeugnis“ des Fremdhundes dringen sollte.

Dennoch sollte man auch darüber nachdenken, befallene Tiere möglichst aus der Zucht zu nehmen, um die über den Paarungsakt nicht nur mögliche, sondern nahezu sichere Ansteckung des Paarungspartners zu verhindern.

Nachzucht befallener Tiere sollte grundsätzlich zu testen sein. Wenn bereits zum Zeitpunkt der Paarung / Trächtigkeit das Virus als vorhanden betrachtet werden muss, sollte diese komplette Nachzucht nicht in der Zucht eingesetzt werden (der Züchter kann dies bestimmen, auch im VDH), und die Nacherwerber wären über die Trägerschaft zu unterrichten.

Wenn z.B. bei einer Hündin der Verdacht durch die Geburt ihrer Welpen erhärtet wird, (sinnvoll bzw. notwendig wäre die Untersuchung totgeborener oder frühversterbender Welpen) sollte der Besitzer des beteiligten Deckrüden zu informieren sein. Dieser sollte seinen Rüden umgehend testen lassen und im positiven Fall die Besitzer aller übrigen zeitnah gedeckten Hündinnen unterrichten.

Befallene Tiere sollten – um die weitere Verbreitung möglichst zu begrenzen – auf Ausstellungen und auch auf dem Hundeplatz nicht in engem Kontakt mit Artgenossen geführt werden.

Besitzer befallener Hunde sollten auch fairerweise ihre Besucher mit Hund über die Ansteckungsgefahr unterrichten.

Denn – ein befallenes Tier ist nicht notwendigerweise aufgrund dieser Infektion irgendwann einmal deutlich krank. Aber es ist in keinem Fall heilbar. Es bleibt Träger und möglicher Überträger, so lange es lebt.

Das hört sich zunächst schlimm an. Andere Rassen leben aber mit ähnlichen Problemen schon seit Generationen, denkt man z.B. an das Klet-Gen beim Setter.

Deswegen wurde die Zucht dort nicht eingestellt und auch die Nachzucht nach Trägertieren blieb „verkäuflich“. Nur insoweit erscheint dies eine vergleichbare Situation, denn wie das Klet macht auch das Herpes Virus selbst das erwachsene Tier in der Regel nicht „krank“.

Letzte Informationen:

Angeblich soll die Pharma-Firma Merial in nächster Zukunft einen besonderen Impfstoff für die Hündin herausbringen. Dieser soll – im Abstand von 6 Wochen – zweimalig verabreicht (vor dem Deckakt und in der Mitte der Trächtigkeit) dafür sorgen, dass z.B. auch eine befallene Hündin gesunde Welpen zur Welt bringen kann.

Nach dem vorgenannten ist dies eine zumindest fragwürdige Versprechung.

Unter dem Aspekt betrachtet, dass veterinärmedizinische Produkte durchschnittlich nach einer insgesamt nur ca. 2-jährigen Erprobungsphase auf den Markt gebracht werden dürfen, muss die Frage erlaubt sein, an wie vielen trächtigen Hündinnen dieser Impfstoff wirklich erfolgreich getestet wurde.

Die Firma Merial gibt z.B. bis heute auf ihrer Homepage hierüber – wie über das Produkt insgesamt – keine Auskunft.

Da andererseits durch die Muttergesellschaften der Merial die seinerzeitige Entwicklung des Wirkstoffes Ivermectin durchgeführt wurde (und regelmäßig in verschiedensten, von ihnen hergestellten Produkten zum Einsatz kommt), sollten wir vor einem eventuellen Einsatz dieser Impfung bei unseren Aussies ganz besonders kritisch auf die Zusammensetzung des Wirkstoffes achten.

Gez. Ada N. Nowek (Stand März 2003)

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