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Der Weißfaktor (oder „weiß ist nicht gleich weiß“)
Das gefürchtete Weiß, "lethal-white", kommt ausschließlich nach merle x merle-Anpaarungen vor. Wenn ein Hund, der Tricolor (oder bi-) zu sein scheint, in Anpaarungen mit verschiedenen Merles letal-weiße Nachkommen bringt, ist er mit größter Wahrscheinlichkeit ein "Phantom-merle", auch „Cryptic Merle“ genannt.
Das sind die (wenigen) Hunde, die an irgendeiner Stelle des Körpers unbemerkt einen klitzekleinen merle-Fleck haben. Dieser kann (sehr selten, aber möglich) auch an der (oftmals kupierten) Rute gewesen und deshalb nicht mehr nachzuweisen sein ...
Spätestens nach zwei Würfen mit verschiedenen Partnern, in denen so etwas passiert ist, dürfte man einen solchen Hund dann nur noch tri- oder
bi-colorfarbigen Partnern zuführen. Fallen dann Merles, hat man den endgültigen Beweis, daß es sich um einen Phantom-merle handelt.
Demgegenüber gibt es einen genetischen Baustein, der sich "excessive white" – frei übersetzt also „übermäßiges Weiß“ nennt. Dieser ist zu erahnen bei Tieren mit besonders ausgeprägter Weißzeichnung (breit weiße Brust und breiter Kragen, hochweiße Beine und auch weiter nach oben gezogenes Weiß an den Innenseiten der Hinterläufe, sogenannte "white stifles".
Das allein ist kein Beweis für das Vorhandensein des genetischen Bausteins für "excessive white", aber ein deutlicher Hinweis darauf. Besonders, wenn sich das Weiß der Hinterläufe an den Innenseiten der Schenkel bis zum Bauch hoch zieht, auch wenn dies nur in einer ganz schmalen Linie in die Bauchregion läuft, ist mit diesem Weißfaktor zu rechnen. Hin und wieder gibt es auch nur dies Merkmal und keine besonders ausgeprägte Weißzeichnung im Bereich Kopf – Brust – Schultern.
Wir waren lange Zeit der Meinung, dass es sich mit „Excessive white“ ähnlich verhalten würde wie mit dem red factor - um in der Nachzucht sichtbar zu werden, müssen ihn beide Eltern tragen. Hat ihn nur ein Elternteil, wird ein Teil der Nachkommen wiederum (verdeckter) Träger dieses Farbmarkers sein.
Inzwischen sind aber aus einigen Anpaarungen Welpen mit extrem viel Weißanteil hervorgegangen, von denen ein Elternteil in vorhergehenden Anpaarungen mit mehreren anderen Partnern nur ausgesprochen wenig Weißzeichnung hervorgebracht hat. Deshalb möchte ich persönlich die Behauptung, dass beide Elterntiere den Weißfaktor mit bringen müssen, inzwischen in Frage stellen. In Finnland ist vor ca. 4 Jahren ein Wurf gefallen nach einem höchstwahrscheinlich nicht weiß-faktorierten Rüden aus einer sehr ausgeprägt weißgezeichneten Hündin. Dieser Wurf brachte neun Welpen hervor, von denen sieben mit extrem viel Kopf- und Körperweiß geboren wurden.
Diese Welpen waren glücklicherweise allesamt gesund, können hervorragend sehen UND hören, obwohl sie zum Teil halb- bis ganz weiße Köpfe, große weiße Flecken am Körper etc. haben.
Diese Welpen wurden alle aufgezogen, im Alter von rund drei Monaten genauestens untersucht und sind in allen Punkten kerngesund. Keiner dieser Hunde hat auch nur ansatzweise Gehör- oder Augenprobleme entwickelt. Ein weißes Ohr oder Auge bei einem "excessive white" Hund ist eine Fehlfarbe und bestimmt nicht wünschenswert, ein sicheres Indiz für Taubheit oder Blindheit ist damit aber noch nicht gegeben.
Excessive white bedeutet also absolut nicht, daß ein Hund mit definitiv zu
viel Weiß (keine Zeichnung um das Auge herum oder ein weißes Ohr) blind oder taub sein wird ...
Die Taub- oder Blindheit aus den merle x merle-Anpaarungen beruht auf einem bis in die Organe hineinreichenden Fehlen jeglichen Pigments. Dies ist aber noch nicht allein durch die Fellfarbe "weiß" vorhanden bzw. nicht vorhanden.
Taub- oder Blindheit kann andererseits auch bei einzelnen Welpen aus unterschiedlichen Gründen vorgeburtlicher Entwicklungsstörungen auftreten, auch wenn die Fellfarbe keinerlei Hinweis auf irgendeine derartige Störung bietet. Wenn also ein "excessive white"-gezeichneter Hund taub oder blind ist, muß dies gar nicht in einem Zusammenhang mit dessen Fehlfarbe stehen. All dies betrifft nicht nur völlige Taub- oder Blindheit; es gibt durchaus verschiedene Abstufungen der Hör- oder Sehminderungen.
Und - Vorsicht ! Lange nicht jeder derartige Fehler ist genetisch bedingt. Ganze Würfe wurden schon als "genetische Krüppel" bezeichnet, die Elterntiere ohne Hintergrundwissen oder zumindest sorgfältige Recherche als Vererber dieser Defekte verdammt, ohne nur einen Gedanken darauf zu verwenden, daß z.B. eine (unbemerkte) Infektion des Muttertieres während der Empfängnis oder Trächtigkeit, die Fehlentwicklung eines einzelnen Welpen bereits während der Zellteilung oder durch eine kurzfristige Mangelversorgung oder auch eine andere Störung von außen (vielleicht auch noch in der Frühphase der Welpenstube) verantwortlich sein kann für ein solches Unglück. Ein unterentwickelter Welpe oder ein Welpe mit einem Geburtsfehler wie z.B. einer Gaumenspalte kann in jedem Wurf vorkommen, ohne dass gleich die Genetik der Elterntiere hierfür verantwortlich gemacht werden kann. Selbstverständlich sollte der Züchter in solchen Fällen sorgfältige Ursachenforschung betreiben, aber mit Hilfe von seinem Tierarzt und Zuchtwart lernen, eine solche, wenn auch traurige Erfahrung mit der gebotenen Gelassenheit hinzunehmen, da in allen Tierarten mit Mehrlingsgeburten solche vorgeburtlichen Entwicklungsstörungen immer mal wieder auftreten und hierfür längst nicht immer eine Ursache gefunden werden kann.
Mein Fazit aus der „Weiß“-Diskussion ist, daß merle x merle-Anpaarungen aus gutem Grund in etlichen Ländern, auch hier bei uns, verboten sind. Bei Verdacht auf „Excessive white“ eines Zuchttieres sollte man sich den Wunschpartner daraufhin genauer ansehen und besonderes Augenmerk auch auf dessen Vorfahren sowie Geschwister und, falls bereits vorhanden, eigene Nachzucht, haben. Wenn da häufiger mal Hunde mit sehr viel Weiß aufgetaucht sind, wird er/sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Träger für „Excessive white“ sein; dann sollte nach Möglichkeit ein anderer Paarungspartner gewählt werden.
Gez. Ada N. Nowek – Stand 2004
Nachsatz 2009 – das Merle-Gen kann inzwischen durch eine besondere Laboranalyse sicher bestimmt werden. Ist ein Hund fraglich „Phantom-merle“, kann dahingehend die Analyse einer EDTA-Blutprobe sicher Aufschluss geben. Interessenten an dieser Analyse können mich gern kontaktieren bezüglich der Ansprechpartner für eine solche Untersuchung an den Tierärztlichen Hochschulen.
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